Momentum in unruhigen Märkten – warum Regeln gerade dann ihren Wert zeigen
Im letzten Beitrag stand ein Grundgedanke im Zentrum: Momentum ist keine Prognose über die Zukunft, sondern ein regelbasierter Prozess. Diese Unterscheidung wirkt auf den ersten Blick theoretisch. Ihren eigentlichen Wert zeigt sie aber erst dann, wenn die Märkte unruhig werden.
Die vergangenen Wochen haben dies deutlich gemacht. Geopolitische Spannungen, insbesondere rund um den Konflikt mit Iran, haben an den Märkten zu spürbar höherer Volatilität geführt. In solchen Phasen steigt der Druck auf Anleger, auf Schlagzeilen, Emotionen oder kurzfristige Marktbewegungen zu reagieren. Gerade dann zeigt sich, ob ein Anlageansatz auf Meinungen oder auf klaren Regeln beruht.
Unser Momentumansatz konnte sich in diesem Umfeld gut behaupten. Gegenüber den Vergleichsuniversen SPI (Swiss Performance Index) und HDAX (DAX Einhundert) ergab sich im bisherigen Verlauf eine ansprechende Mehrrendite. Das ist kein Beweis für Überlegenheit. Es zeigt jedoch, dass ein strukturierter Prozess in unruhigen Marktphasen helfen kann, Entscheidungen konsistenter und weniger emotional umzusetzen.
Wenn Unsicherheit steigt, wird Disziplin konkret
Solange Märkte ruhig verlaufen, wirken viele Anlagestrategien überzeugend. Die eigentliche Bewährungsprobe beginnt erst dann, wenn Unsicherheit plötzlich zunimmt. In solchen Phasen werden Positionen schneller infrage gestellt, Rückgänge emotional stärker wahrgenommen und vermeintlich sichere Einschätzungen häufiger angepasst.
Genau hier liegt der praktische Nutzen eines Momentumansatzes. Er versucht nicht, politische Entwicklungen oder geopolitische Eskalationen vorherzusagen. Er reagiert vielmehr auf das, was sich in den Kursverläufen bereits zeigt. Das ist weniger spektakulär als eine starke Marktmeinung, in der Praxis aber oft robuster.
Momentum muss nicht perfekt sein, sondern belastbar
Momentum funktioniert nicht in jeder Phase gleich gut. Besonders anspruchsvoll sind abrupte Richtungswechsel oder kurze, heftige Gegenbewegungen. Gerade deshalb ist es wichtig, Momentum nicht als Versprechen, sondern als Methode zu verstehen.
Der Nutzen entsteht nicht dadurch, dass der Ansatz jede Marktbewegung richtig erfasst. Sein Wert liegt vielmehr darin, Trends systematisch zu verarbeiten und gleichzeitig emotionale Eingriffe zu begrenzen. Dass sich ein regelbasierter Ansatz in einem unruhigen Umfeld stabil behaupten konnte, ist deshalb weniger ein Signal für Überlegenheit als ein Hinweis auf methodische Belastbarkeit.
Der eigentliche Vorteil liegt oft im Verhalten
Momentum wird häufig als rein technischer Selektionsmechanismus verstanden. Das greift zu kurz. Der grössere Mehrwert liegt oft nicht im Signal selbst, sondern in der Wirkung auf das Verhalten.
Viele Fehlentscheide entstehen nicht aus mangelndem Wissen, sondern aus mangelnder Konsequenz. Anleger verkaufen zu früh, steigen zu spät wieder ein oder ändern ihr Vorgehen genau dann, wenn die Unsicherheit am grössten ist. Ein regelbasierter Prozess kann diesen Reflex nicht vollständig ausschalten, aber er kann ihn deutlich begrenzen.
Gerade in Phasen geopolitischer Anspannung ist das entscheidend. Denn je lauter das Umfeld wird, desto grösser wird die Versuchung, vom Prozess abzuweichen.
Fazit
Die jüngste Marktphase hat vor allem eines in Erinnerung gerufen: Nicht jede Unsicherheit lässt sich durch bessere Prognosen lösen. In vielen Fällen ist es sinnvoller, einen belastbaren Prozess zu haben, als die nächste Marktbewegung vorhersagen zu wollen.
Momentum entfaltet seinen Wert deshalb nicht in erster Linie dann, wenn Märkte einfach sind, sondern dann, wenn sie unangenehm werden. Nicht weil der Ansatz Unsicherheit beseitigt, sondern weil er hilft, mit ihr strukturiert umzugehen. Wir bleiben konsequent dran!
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